War Thunder im Test

21.05.2014 um 09:24 von Lowcroft89

War Thunder im Test: Luftiger Krieg

Mit War Thunder hat Gaijin Entertainment eine Menge vor: Der Free2Play-Titel fing als reines Flugzeugspiel an, seit kurzer Zeit rollen Panzer ĂŒbers Schlachtfeld und irgendwann laufen noch Schiffe aus dem Hafen namens Entwicklungsprozess aus. Die Frage ist: Wie viel Spaß macht War Thunder jetzt schon?

In den Neunzigern und frĂŒhen Zweitausendern bediente der Markt Fans von Flugsimulationen regelmĂ€ĂŸig mit neuen Titeln. Da gab es Spiele wie zum Beispiel IL-2 Sturmovik, die euch in LuftwaffeneinsĂ€tze im Zweiten Weltkrieg geschickt haben. Das Genre blĂŒhte nur so vor sich hin, ohne jemals so eine breite Masse wie Shooter oder Rollenspiele zu erreichen. Aber es hatte seine sehr treuen Fans. Genau die bedienen Spielentwickler heutzutage aber kaum noch. Da hat sich das russische Studio Gaijin Entertainment wohl gedacht: »Mensch, da können wir doch was machen!« Und so brachte es War Thunder auf den Markt. Das Free2Play-Actionpiel versetzt euch auf dem PC und der PlayStation 4 in LuftkĂ€mpfe zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Der Titel bietet ein breites Spektrum an Flugzeugen aus dieser Zeit, aufgeteilt auf die fĂŒnf Fraktionen USA, Großbritannien, Deutsches Reich, Russland und Japan. Das ist aber noch nicht alles, denn mittlerweile gibt es dank der Erweiterung Ground Forces auch Panzer - zumindest auf dem PC.

Der Tod kommt meist von hinten

Konzentrieren wir uns aber erst einmal auf die KĂ€mpfe in der Luft. Hier geht richtig die Luzi ab, zumindest wenn ihr mitten im Zentrum eines Gefechts angekommen seid. Denn zu Beginn einer jeden Schlacht fliegt ihr erst mal ganz gemĂŒtlich in Richtung des Feindes, was durchaus seine Zeit beansprucht. Da greift man dann nochmal genĂŒsslich nach den Chips oder der Cola, bevor man dazu nicht mehr die Gelegenheit hat. Denn wenn euch erst ein feindlicher Flieger am Heck klebt und unnachgiebig eure TragflĂ€chen durchlöchert, seid ihr direkt mittendrin statt nur dabei. Finstere RachegelĂŒste treiben euch dann an und ihr gebt nicht eher Ruhe, bis ihr euren Gegner auf den Boden der Tatsachen geschickt habt – mit »LiebesgrĂŒĂŸen« aus dem BordgeschĂŒtz, versteht sich. Ihr solltet aber stets mit Bedacht vorgehen, denn ewig viele Leben sind euch pro Partie nicht vergönnt. Das hĂ€ngt davon ab, wie viele Flugzeuge ihr in Reserve habt. Anfangs sind es pro Fraktion nur drei. Rekrutiert ihr eine neue Mannschaft, dĂŒrft ihr ein weiteres Flugzeug in euren Kader aufnehmen. Sind alle Maschinen aufgebraucht, scheidet ihr aus.

Forschung = Fortschritt

FĂŒr absolvierte Gefechte erhaltet ihr Erfahrungs- und Forschungspunkte sowie »Silver Lions«, die HauptwĂ€hrung in War Thunder. Damit kauft ihr euch neue Propeller- beziehungsweise DĂŒsenmaschinen und Panzer sowie Upgrades. Noch wichtiger sind aber die Forschungspunkte, die sich in normale und freie Punkte aufteilen. Ihr benötigt sie, um neue Flugzeuge und Panzer zu erforschen. Jede Fraktion hat ihre eigenen, umfangreichen TechnologiebĂ€ume. Dort wĂ€hlt ihr jeweils ein GefĂ€hrt aus, das ihr als nĂ€chstes freischalten wollt. WĂ€hrend die normalen Forschungspunkte automatisch dafĂŒr verwendet werden, lagern die freien auf eurem Konto. Diese lassen sich per Hand in die Erforschung eines Objekts stecken, was den Vorgang beschleunigt.

Fairplay

Und damit wĂ€ren wir dann auch beim GeschĂ€ftsmodell von War Thunder. Denn die Umwandlung von freien Forschungspunkten kostet »Golden Eagles« und das ist die PremiumwĂ€hrung, die ihr nur fĂŒr echtes Geld bekommt. Insgesamt betrachtet ist das Free2Play-System aber sehr fair. Grob gesagt, spart ihr euch einfach Zeit, wenn ihr Geld ausgebt. Richtige Vorteile gegenĂŒber anderen Spielern stehen nicht zum Verkauf. Zwar gibt es bei jeder Partei ein paar Kriegsmaschinen, die ihr nur mit »Golden Eagles« kaufen könnt. Die sind aber nicht unbedingt stĂ€rker als Modelle der selben Stufe und dienen nur dazu, auf niedrigem Level schon mit mĂ€chtigeren Flugzeugen und Panzern spielen zu können. Und da das Matchmaking gut funktioniert, kommt ihr gut die Karriereleiter hinauf, ohne auch nur einen Cent zu bezahlen.

»Wie möchten's denn spielen?«

Besonders lobenswert an War Thunder ist, dass es Einsteiger nicht ĂŒber- und Profis nicht unterfordert. Grund dafĂŒr sind die drei Spielmodi: In den Arcade-Schlachten sind Flugphysik und Co simpel gehalten. Die Steuerung, die das Spiel euch in sehr guten Tutorials erklĂ€rt, ist wunderbar eingĂ€ngig. Ihr werdet sehen: Schon nach kurzer Zeit feiert ihr eure ersten Erfolgserlebnisse. Doch bevor ihr euch dann mit zu großem Selbstvertrauen in die realistischen oder gar die Simulator-Schlachten wagt, seid gewarnt: Da ist War Thunder deutlich anspruchsvoller. Es gibt weniger Bildschirmanzeigen, Dinge wie Treibstoffverbrauch spielen eine Rolle und fĂŒr den Simulator-Modus empfehlen die Entwickler sogar einen Flight-Stick. Hier toben sich also nur die Profis aus – jedoch nicht auf der PlayStation 4. Dort ist der Titel (bislang zumindest) nur im Arcade-Modus spielbar. Allerdings befindet er sich auf der Sony-Konsole auch noch in einer Beta-Version, die noch nicht alle Features der PC-Fassung beinhaltet.

Rollin', rollin', rollin'

Dazu gehören auch die Panzerschlachten, die erst vor kurzer Zeit Einzug in die PC-Version erhalten haben. Wer in World of Tanks kein Land sieht, weil er nach kilometerlangen Fahrten direkt zu Kleinmetall verarbeitet wird, hat im Arcade-Modus von War Thunder deutlich grĂ¶ĂŸere Überlebenschancen. Trotzdem stellt sich in der Luft der Erfolg schneller ein als am Boden. Leider gibt es momentan noch nicht die Möglichkeit, dass Panzer- und Flugzeuge in den selben Matches antreten können. Aber das kommt hoffentlich irgendwann.

Schöne Aussichten

Technisch ist War Thunder auf ordentlichem Niveau. Flugzeug- und Panzerfans erfreuen sich an den detaillierten Modellen, die im Kampf auch schön zu Bruch gehen. Die Landschaften sind sehr abwechslungsreich und sehen aus der Luft richtig gut aus. Da fliegt ihr mal ĂŒber die Alpen, wĂ€hrend euch in einer anderen Partie afrikanische Canyons erwarten. Nur wenn ihr euch im Sturzflug dem Erdboden nĂ€hert, fallen unscharfe Texturen auf. Aber das ist man ja vom Genre gewohnt. Ein wenig schwĂ€cher sind hingegen die Panzerschlachtkarten. Hier macht sich bemerkbar, dass War Thunder als reines Flugzeug-Actionspiel angefangen hat. NatĂŒrlich sind die Landschaften detaillierter als in den Luftschlachten, doch nur in diesen ĂŒberzeugt der Titel so richtig. Am Sound gibt es dafĂŒr nichts zu bemĂ€ngeln. Die Motoren brummen so, wie sich das gehört, und Schusssalven sowie Explosionen sind gut gelungen, wenn auch bei Weitem nicht auf dem Level eines Battlefield 4.

Das kleine Schwesterlein

Zum Schluss noch ein paar Worte zur PlayStation 4-Version: Deren Beta-Status macht sich derzeit noch deutlich bemerkbar, weshalb sich die Wertung auch nur auf die PC-Version bezieht. Zum einen ist sie noch nicht eingedeutscht, zum anderen fehlen, wie schon erwĂ€hnt, die Panzer. Grafisch kann sich das Spiel zwar auch in dieser Fassung sehen lassen, allerdings hat sie einen großen Kritikpunkt: Die MenĂŒs wurden fast eins zu eins von der PC-Fassung ĂŒbernommen. Mit dem Controller durch diese zu navigieren, ist noch nicht optimal, selbst mit dem Touchpad des DualShock 4.


Fazit


Lowcroft89


BeitrÀge: 1.167
Punkte: 76.890

Auf den ersten Blick wirkt War Thunder wie eine Kopie der Wargaming-Spiele. Aber in dem Fall heißt es nicht: »Besser gut geklaut, als schlecht selbstgemacht«, sondern: »Gut geklaut, besser umgesetzt«. Der Titel sieht schick aus, bietet mit seinen zahlreichen freischaltbaren Flugzeugen und Panzern eine hohe Langzeitmotivation und die Schlachten erfreuen Einsteiger und Profis gleichermaßen. Die Idee, einen Arcade-Modus und zwei realistischere Varianten einzubauen, zahlt sich voll aus. Kurzum: War Thunder ist nicht nur ein verdammt guter Vertreter des Genres, sondern auch eines der besten und fairsten Free2Play-Spiele.


Pro

  • faires GeschĂ€ftsmodell
  • viele Flugzeuge und Panzer
  • motivierendes Forschungssystem
  • gute Grafik bei LuftkĂ€mpfen
  • Karten bieten viel optische Abwechslung
  • sehr gute Steuerung
  • bedient Einsteiger und Profis gleichermaßen

Contra

  • Panzerschlachtkarten hinken optisch hinterher
  • Flugzeuge und Panzer (noch) komplett getrennt

Spielbewertung86%

  • 75%
  • 90%